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In der Schweiz ist Frank Sinatra leider nie aufgetreten. Als er im Jahre 1993 zum letztenmal in Deutschland ein paar Konzerte gab, hatte ich leider keine Chance mehr, irgendwie an Tickets zu kommen.

Viele andere Kollegen aus Deutschland haben das Vergnügen gehabt, "the voice" 1991 oder 1993 einmal in Deutschland zu erleben. Ihre Eindrücke sind hier zu lesen - herzlichen Dank an die Schreiber!

Midi: "Let My Try Again"
(zu hören in "Ol' Blue Eyes Is Back" 1973)


Stefan Bruessler

Als Teenager habe ich Frankyboy zum erstenmal bewußt wahrgenommen. Damals war ich zu Besuch bei einem Freund, und dieser hatte sich kurz zuvor die damals brandneue Single "New York, New York" gekauft.
Ich habe mir den Song damals zehnmal in Folge vorspielen lassen und war völlig begeistert.

Dennoch dauerte es weitere fünf Jahre, bis ich mich intensiver mit diesem Ausnahmekünstler zu beschäftigen begann. Es folgte die Anschaffung einiger (ausgewählter) Alben, Videos und Bücher.

Die Krönung war jedoch, "Ol´blue eyes" persönlich zu genießen. Als Sinatra 1993 zum letzten Mal "live in concert" in good old Germany war, fasste ich mir ein Herz und kaufte eines der horrend teuren Tikets für sein Konzert in Dortmund. Da die besten Plätze bereits weg waren, blieb als beste Alternative die 20. Reihe Parkett - also fast in Sibirien. Um es vorweg zu nehmen: ich habe keine Mark bereut!

Nach dem phantastischen Konzert lief ich einfach an den Bodyguards der Promis in den ersten Reihen vorbei und stand Sinatra unmittelbar gegenüber! Ich war keinen Meter entfernt, da er direkt an den Bühnenrand gekommen war, um den Beifall des Publikums entgegenzunehmen.

Wir hatten nur kurze Zeit unmittelbaren Blickkontakt - ein Eindruck, der auf ewig im Gedächtnis bleibt. Seine Frau Barbara saß übrigens in der ersten Reihe, inmitten hochrangiger Politiker, Industriekapitäne und "Kollegen" Sinatras.

Durch das Konzert und die Nähe zu Sinatra ist mir eines klar geworden: der Mann liebte die Musik und sein Publikum über alles. Nicht nur die sensibel und einfühlsam vorgetragenen Songs machten dies deutlich - sondern auch die sichtliche Rührung in seinem Gesicht beim Anblick der vor Begeisterung tobenden Menge und der minutenlangen stehenden Ovationen.

Schade, daß er nicht mehr unter uns weilt. Aber dennoch - er wird wohl für immer einen besonderen Platz in der Welt der Musik innehaben.


Marcus Prost

Auch ich habe das Glück gehabt, Mr. Old Blue Eyes live erleben zu dürfen. Vier Mal insgesamt für zusammenrechnet ein kleines Vermögen, (besonders da ich ja noch ein einkommensloser Schüler war), aber auch mir war es jede Mark davon Wert gewesen. Die Erinnerungen an so manches in meiner Jugendzeit verblassen allmählich, aber selbst die unwichtigsten Einzelheiten meiner Erlebnisse bei den Konzerten Sinatras habe ich noch haargenau im Gedächtnis.

Mit etwa 16 Jahren fing sie an, meine Sinatra-Leidenschaft. Ein Zufallskauf einer Billigkassette war der Auslöser - heute zehn Jahre später - bin ich faszinierter von seinem Werk, denn je.

Frank Sinatra, der Name steht für beinahe sechs Jahrzehnte auf den Bühnen dieser Welt, für zahllose Konzerte, die alle für sich Meisterwerke waren, für viele Filme, von denen uns die Bedeutendsten heute noch bewegen, aber allen voran für seine Musik, die - auf Venyl oder CDs gebannt - uns wohl ewig in ihren Bann ziehen wird. Unzählige Stunden, in denen uns Frank Sinatra ein Spiegel unserer eigenen Existenz vorsang, in denen wir unserer verlorenen Herzensdame nachtrauerten, an die kleinen kurzen Momente am Morgen dachten, an denen sie uns am meisten fehlte; unzählige Stunden, in denen wir den Puls der Metropole dieser Welt förmlich spüren konnten, wir uns in laue Sommernächte, ins nächtliche oder nebelige London versetzt fühlten oder auf unser Leben mit Stolz zurückblickten. Stunden der einsamen Trauer, wie der ausgelassenen Freude.

Wie kein anderer verstand Sinatra es, mit seiner Musik Geschichten zu erzählen, die einen fesselten.

Als ich 1991 in Frankfurt am Main und 1993 in Dortmund, Berlin und Köln Gelegenheit hatte Sinatra auf der Bühne zu erleben, war es mir vergönnt, die Kunst Sinatras sein Publikum zu fesseln live erleben zu dürfen. Für jeden dieser Momente bin ich dankbar.

Nun ist Frank Sinatra nicht mehr unter uns, aber glücklicherweise lebte er im zwanzigsten Jahrhundert, so daß wir durch technische Reproduktion, durch Film, Tonband oder CD zumindest noch einen Eindruck der Faszination seiner Musik erhalten können, und uns seiner erinnern,  wenn auch eines Tages die letzten Menschen, die ihn noch selbst erlebten, nicht mehr auf dieser Erde weilen werden.


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